Wieder mal was von meinem Projekt.
Oh Gott, koennen Kinder anstrengend sein! Mein Ruecken tut schon weh vom vielen durch die Luft schleudern der Kleinen.
Ich habe diesen Montag mit ein paar Theateruebungen angefangen. Sonst wird das ja nie mehr was (ich habe auch so die Befuerchtung, dass es bei diesen Uebungen bleiben wird). Zuerst habe ich die Kinder ganz still im Hof herumlaufen lassen, ohne, dass sie sich gegenseitig beruehren, lachen oder jegliche andere Geraeusche machen. Das ist den hyperaktiven Geistern natuerlich schwer gefallen. Besonders als ich „Stop“ sagte und erstarren mussten. Zum Schluss haben es aber in paar Kinder hinbekommen. Es sollte ihnen das Gefuehl vermitteln, dass sie etwas bewusst machen und sich konzentrieren, als wuerden sie alleine im Prado herumlaufen.
Danach versuchte ich es mit Improvisationstheater. Zwei Kinder denken sich eine Szene aus und diese spielen sie so lange, bis einer der Zuschauer „Stop!“ ruft, die Schauspieler erstarren, der Zuschauer nimmt einen der beiden Kinder aus der Szene und faengt sofort an zu spielen, ohne dass jemand weiss, worum es sich handelt. Der Mitspielen muss sich blitzschnell in die Situation hineinversetzen. So geht es dann weiter. Aber schnell gingen den Kindern die Ideen aus und einige waren noch viel zu schuechtern und sassen stumm da. Nun ja, ein Anfang ist getan!
Gestern habe ich Beamer, DVD-Player und die DVD „Darfur NOW“ mitgebracht, damit die chicos sehen, wie gut es ihnen im Vergleich zu afrikanischen Kindern im Sudan geht. Es wurden ausserdem die Misshandlung der Menschenrechte beleuchtet. Aber da es sich „nur“ um eine Doku handelte, langweilten sie sich schnell und nach nicht mal einer Stunde sassen meine educadora und ich mit einem schlafenden Kind als einzige im Saal. Ein paar Eindruecke sind aber hoffentlich geblieben.
Ansonsten spiele ich weiterhin mit ihnen taeglich Schach, auch wenn viele das Schach-Matt-System noch nicht ganz verinnerlicht haben. Gestern liessen wir dann von jung bis alt Sprach-Tests machen. Ich hab den Aelteren geholfen, die einen Text korregieren sollten. Das Ergebnis fiel jedoch schlimm aus: Nur ein Junge (12) hatte 4 Fehler, alle anderen ueber 11, Rekord waren 28!! Das hat uns doch gezeigt, wie wichtig solche Uebungen sind. Im Moment schiesse ich von jedem Kind im Projekt ein Foto. Daraus werden wir zum Schluss eine Collage machen. Und mit dem Erinnerungs-Heft, wo jeder jedem etwas wismen muss, haben wir auch begonnen.
Wirklich schade, dass ich dort nicht donnerstags und freitags arbeiten muss. Die Ideen gefallen mir naemlich alle total gut. Stattdessen betreue ich Kinder bei einer sehr netten Familie. Projektersatz ist es jedoch nicht.
P.S.:
Heute hat mich der Tod eines Jugendlichen aus einem anderen Zentrum sehr betroffen. Gestern Abend wurde er um 19 Uhr ueberfahren, als er sich auf den Weg zur Uni machte. Der Fahrer war betrunken. Der Junge starb schon mit 19 Jahren. Wir besuchten die Familie, der Sarg war mit Blumen verziert und von lilanem Licht umgeben. Die Mutter weinte so sehr, das war schon wirklich schlimm. Man konnte sich ein letztes Mal verabschieden. Morgen findet das Begraebnis statt.
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